Mittwoch, 19. Juni 2013

Lektion in Männlichkeit

Eine unfreiwillige Lektion im richtigen männlichen Verhalten erfuhr ich gestern im Bezirksamt Wandsbek.

In der Schlange stehend, wartete ich darauf, dass ich mir am Schalter eine Nummer geben lassen konnte. Vor mir eine junge Frau, modisch gekleidet, ihr Sohn, ca. 10 Jahre alt, ein männlicher Begleiter mit schwarzen, zurückgegelten Haaren, Fliegersonnenbrille mit Goldrand, Sneakersocken und flachen Sportschuhen, Poloshirt (japp, hochgeklappter Kragen) und umgehängten Pulli und natürlich eine coole Armbanduhr.

Der kleine junge vor mir hatte wohl etwas getan oder nicht getan, was die Verärgerung und Belehrung des jungen Mannes zur Folge hatte. Es fielen Sätze wie:

  • "Du heulst dann nicht rum!"
  • "Man weint dann nicht!"
  • "Man gibt dann nicht auf!"
  • "Ein richtiger Mann weint nicht!"
  • "Ich muss dir wohl beibringen, wie man sich als richtiger Mann verhält."
  • "Du schaust mich an, wenn ich mit dir rede!"
    Hier fehlten natürlich nicht die um die Wangen des Jungen gelegten Hände, damit der Blickkontakt hergestellt wurde.
...und so weiter und so fort.

Der so belehrte Junge stand mit den Händen in den Hostentaschen und hilflos ausweichendem Blick da. Ab und an hatten wir Blickkontakt. Er wird geahnt haben können, dass ich nicht so ganz die unfreiwilligen Belehrungen teilte.

Die Mutter schaute sich hin und wieder um, schritt aber nicht ein. Ob sie die Belehrungen teilte, kann ich nicht sagen. Mir war das unangenehm und ich fand die Belehrungen eher peinlich.

Hätte ich etwas sagen sollen? Vermutlich nicht, der Junge muss da wohl durch und den Lebensgefährten der Mutter hinnehmen. Einfach mal die Ämter besuchen, da erleben Sie was. ;-)

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